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Alltag und Konsumterror

Ok, nicht, dass ich je vorhatte, diesen, unseren Blog, als waschechtes Tagebuch - also im Wortsinn, mit einem Eintrag an jedem Tag - zu führen. Aber, dass die Kluft zwischen all jenen Eindrücken und Situationen die ich gerne für mich und euch schriftlich festhalten und rekapitulieren würde und denen über die ich dann tatsächlich schreibe derart groß sein würde...

Wie Joe es richtig auf dem Punkt gebracht hat: Das Team RennSchneck rennt - momentan jeden Tag etwas anderem hinterher.

Zur Zeit hab ich ja sogar in ganz alltäglichen Situationen dieses Gefühl von "hey, keine Ahnung wie das jetzt wieder funktioniert - ich mach das grade zum ersten mal." Ein gutes Beispiel: Wäsche waschen im Waschsalon. Klar, Waschmaschine bedienen - irgendwie intuitiv, und dass man da erst Münzen reinstecken muss damit sie läuft war in einer Coin-Laundry auch zu erwarten. Aber dann ist das Ding so groß und arbeitet mit so viel mehr Wasser als du es von deinem deutschen super-Strom-und-Wasser-Sparmodell gewohnt bist, dass du nach dem Waschgang feststellst, dass du mindestens doppelt so viel Waschmittel gebraucht hättest... Also alles nochmal von vorne. Gut, dass man sich in so einem Waschsalon prima die Wartezeit während des Waschgangs mit Leute beobachten vertreiben kann. Eine seltsame Mischung aus Yupie-Singles, Studenten die in ihrem Leben einfach keinen Platz für eine Waschmaschine haben auf der einen Seite und Müttern mit Kindern und älteren Singles aus mutmaßlich einkommensschwächeren Haushalten auf der anderen.

Oder eine andere Episode vom Team Rennschneck in WI:

Ich gebe ihr einfach mal die Überschrift:

"Kauf mich - ein schwäbischer Horrortrip durch diverse US-Shopping Center"

Wie bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt habe ich, und aufgrund der großzügigen US-Ladenöffungszeiten an Sonn- und Feiertagen auch oft wir beide, meine ersten beiden Wochen zu einem großen Teil in Supermärkten bzw. Baumärkten verbracht. Als gute Schwaben hofften wir, wenn wir schon so viel neues Grundausstattungs-Zeug brauchen, wenigstens das ein oder andere Zubehör günstig im Black Friday Sale zu bekommen.

Sagen wir es mal so: Mission accomplished ! Aber gespart haben wir dabei allerhöchstens Geld - und dafür doppelt und dreifach mit den Nerven bezahlt.

Amerikanische Einkaufszentren sind nämlich in erster Linie eines: groß und verführerisch ! Dazu kommt noch, dass du in keinem Laden einfach nur eine Art von Dingen findest - also im Baumarkt eben Sachen zum Bauen/Heimwerken und evtl. noch für den Garten - sondern es gibt immer irgendwie alles. Milch, Eier, Shampoo und Gewürze im Baumarkt, oder Gartenmöbel, Kleidung und praktisches für Zuhause im Lebensmittelmarkt - ja und Snacks, die gibt es sowieso überall. Nur frisches Obst und Gemüse hab ich bisher noch nicht im Klamottenladen oder Baumarkt gefunden. Konsequenterweise legen sich daher auch einige Stores, was die Beschreibung ihres Sortiments angeht gar nicht erst festlegen. Das sind dann die schlimmsten. Du gehst einmal rein, und kommst an lauter super-praktischen Dingen vorbei, die noch dazu grade "zufällig" im Sale sind. (Dass hier immer irgendwie alles im Sale ist merkst du als Newcomer erst nach ner Woche oder so...) Im Grunde ist das wie in D beim Real - nur auf der doppelten Fläche. Denn Platz hat man hier in WI genug...

So und nun stelle man sich vor: Die Schnecke, die Einkaufen schon im schnuckelig-überischtlichen deutschen Lidl hasst, geht mit der Mission den gemeinsamen Hausrat zusammen zu kaufen in dieser Art von Einkaufszentren auf Beutejagd. Mit granatenmäßigem Jetlag, im Black Friday Sale...

Ich führe das jetzt nicht weiter aus. Wer mich und meine schier endlose Geduld und intuitive Entscheidungsfreudigkeit kennt, wie herrlich dieses vorweihnachtliche Shopping-Erlebnis war...

Zur Erklärung für alle, die mich zu wenig kennen um die Ironie in diesen Worten zu erkennen: Meine Gedulds-Obergrenze ist ungefähr erreicht, wenn ich z.B. länger als 10'' auf einen Foto-Upload warten muss - und Kauf-Entscheidungen treffe ich vorzugsweise unter Berücksichtigung möglichst aller Eventualitäten - oder aber bei Lebensmitteln, zumindest erst nach komplettem Durchlesen der Zutatenliste.

Ich sag's euch: Ich hab die Nase voll vom Einkaufen !

Und dann ist auch noch die bereits erwähnte Sache mit dem Permanent-Sale. Überall schreien tolle Schnäppchen-Angebote förmlich danach gekauft zu werden einfach weil es so günstig ist und weil man sowas ja echt mal brauchen könnte...

"Mich kann man kaufen und es gibt mich im Sonderangebot, mich kann mal kaufen und zwar täglich, rund um die Uhr"

Ok, DTH haben das Prinzip offensichtlich schon vor ca. 20 Jahren begriffen 😉 - und ich hatte diesen Ohrwurm jetzt ungefähr eine Woche lang im Kopf...

Irgendwann, als ich mal wieder verloren vor dem Regal mit den 150 Tupperdosen-Sets im "Ultimate Clearacne Sale" stand hab ich dann beschlossen, dass ich mich und meine Schwabenseele vor der schieren Macht des allgegenwärtigen Überflusses schützen muss. Seitdem frage ich mich bei allem was im Begriff ist auf meinem Einkaufszettel oder, noch schlimmer ohne diesen Umweg direkt in meinem Einkaufswagen, zu landen - ganz bewusst auf schwäbisch - folgende Fragen zu stellen: Brauch'sch des wirklich ? Vo mir aus, aber jetzt glei, oder reicht's au nächscht Woch no ? Einzige Ausnahme: Es handelt sich um Klopapier, das hab ich gern auf Vorrat ;-)

Vermutlich nicht grade "the american way to do it" - na ja, eher ganz offensichtlich nicht. Wie könnten sich sonst die vielen Riesen-Einkaufszentren hier halten ? "Money makes the world go round" - da ist was wahres dran. Wenn die alle hier keinen neuen Toaster kaufen würden, nur weil der Alte noch tut hier einige Arbeitsplätze verloren gehen. Eine Einstellung die ein Schwabe erst mal lernen muss: Geld will ausgegeben werden, sonst bringt es die Wirtschaft nicht voran. Da mag was dran sein, aber ich fürchte ich kann da nicht mitspielen. Das ist mir zu anstrengend - und um ehrlich zu sein mein grünes Gewissen macht mir da in Sachen Resourcenverschwendung ebenfalls einen Strich durch die Rechnung. Hoppla, eine ganz neues Lebensgefühl - mir war gar nicht klar, wie tief dieses Ökobilanz-Denken selbst in einer überzeugten Autofahrerin wie mir mir verwurzelt ist. Vor dem Tübinger Background kam das irgendwie nie so recht zur Geltung...

So und damit hätten wir eine wunderschöne Überleitung geschaffen: In meinem nächsten Beitrag will ich euch in einer kleinen Fotogalerie bei dem Vorhaben eine stylische LED-Energiesparleuchte in unserem Wohnzimmer zu installieren eine Menge über die US-Stromversorgung gelernt habe. (Ich weiß, hatte ich schon mal angekündigt 😉 )

Es grüßt euch aus dem kalten aber sonnigen Wisconsin,

die Rennschnecke

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Joe is non-social ;-)
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